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Die deutsche Wirtschaft fordert mehr an
kognitiven und emotionalen Fähigkeiten der Schulabgänger als
in der Schule aufgebaut wird. Die Defizite sind systembedingt:
Vergleich mit dem produzierenden Gewerbe: Statt genormter Maschinenarbeit bleibt es der einzelnen Arbeitskraft ohne Koordination überlassen, mit welchen Maßen sie eine Schraube oder ein anderes Bauteil feilt, seine Oberfläche bearbeitet, ..., - und sie muss vor der Abnahme eine Mindestzeit daran arbeiten. Eine Firma wäre in kürzester Zeit pleite. Schule darf so seit Jahren 'Bildung' produzieren. Die Reformbestrebungen der Gegenwart richten sich in erster Linie auf die Verbesserungen des Unterrichts, nicht auf die Verbesserungen des Lernens. Es herrschen die Fiktionen, dass auch heute noch Schule die optimale Form der Lernorganisation repräsentiert, dass die Lernergebnisse um so besser sind, je länger die Lernenden die Schule besuchen müssen und dass es genügend Menschen gibt, die man als ideale Lehrer gewinnen kann. Zur letzten Fiktion eine Hintergrundinformation:
1 ha = 1010 mm2
oder notfalls 1 ha = 10 000 000 000 mm2
Von 22 Studierenden des Lehramt
für Mathematik an Realschulen im 4. Fachsemester schaffte vor einigen
Jahren nur einer die im Bild geforderte Umwandlung richtig. Bei den anderen
fehlten die grundlegenden Vorstellungen. Es gibt keinen Grund zu der Annahme,
dass das Ergebnis heute besser ausfiele. - Wir dürfen gespannt sein
auf die Ergebnisse des Lehrer-PISA, so es denn gemacht würde.
Vision Die deutsche Wirtschaft fördert gemeinsam
den Aufbau einer Datenbank mit Aufgaben, wie sie bei Einstellungen zur
Ermittlung der Kompetenz der Bewerber in vielen Firmen verwendet werden.
Die Aufgaben werden – mit freiem Zugang - so im Internet verfügbar
gemacht, dass zu einer online-Bearbeitung eine Rückmeldung generiert
wird (Beispiele), die dem Bearbeiter seinen Lernstand
im bearbeiteten Thema durch einen Scorewert übermittelt. Langfristig
soll diese Datenbank den Anforderungen des Dortmunder
Manifests entsprechen.
Realisierung Die Umsetzung der Vision erscheint zunächst fast unmöglich und zu kostenträchtig. Wenn man in klassischen Formen der Projektentwicklung durch speziell dafür eingesetzte Kommissionen denkt, trifft das auch zu: Berufung und Finanzierung von zahlreichen etablierten Experten, die gern zu ihren neunundzwanzig schon erreichten Mitgliedschaften in Entwicklungsgremien und runden Tischen noch eine dreißigste gegen eine entsprechende Aufwandsentschädigung übernehmen. Setzt man dagegen auf offene Mitarbeit
(open source) im Internet, dann gibt es eine gute Chance auf Erfolge:
Ein wichtiges Kennzeichen aller dieser Entwicklungen ist die demokratisierte, offene Evaluierung. Diese Form der Evaluierung wird im Internet übrigens auch von kommerziellen Anbietern wie Ebay eingesetzt. Die Einbeziehung von Schülern in eine
solche Entwicklung ist unter didaktischen Gesichtspunkten wichtig. Viele
sehen darin eine Herausforderung, die ihnen gemäß ist. Die weißen
Flecken auf der Landkarte sind fast verschwunden; die weißen Flecken
in der virtuellen Welt (wie zum Beispiel die Hoffnung auf transparente,
überprüfbare
Bildungsstandards mit freiem Zugang) rufen nach Entdeckern. Jugendliche
sehen es unter entsprechenden Umständen als 'cool' an, an einem solchen
Projekt mitzuwirken und aus dieser Mitwirkung positive Rückmeldungen
zu erhalten. Wo sie konkrete erreichbare Ziele sehen, sind die meisten
bereit, sich zu engagieren. Das gilt auch für die oft als bildungsschwach
angesehenen Hauptschüler. Lesen Sie dazu den Handytest
(eine fiktive Wette zwischen Fachdidaktikern des Fachs Informatik und Hauptschülern
einer siebten Klasse).
Den Beginn einer Realisierung findet man mit vielen Vorarbeiten im Site www.bildungsstandards.de. Dieser Site hat die kritische Resonanz bei den Fachdidaktikern und Lehrern noch nicht erreicht. Verständlich; die Umsetzung in den Schulalltag würde zu gravierenden Veränderungen der Berufsbilder führen. Bei Google dagegen hält sich das bisherige Einmannprojekt www.bildungsstandards.de seit 6 Jahren auf einem der ersten zehn Plätze bei der Suche nach 'bildungsstandards' - unter zu Zeit mehr als 200 000 Fundstellen. Hier einige Beispiele, wie die Konkretisierung von Bildungsstandards durch Aufgaben mit sofortiger Überprüfung aussehen können: Deutsch
ab Klasse 3; einfache Einsetzübung mit richtig-falsch-Bewertung
Vor zweihundert Jahren hätte sich niemand unsere heutige Zivilisation vorstellen können. Die heutige Informationsverarbeitung kann – und wird – durch das ubiquitäre Internet Lernen so verändern wie Dampfmaschine, Benzin-, Diesel- und Elektromoren die Produktion und den Transport von Wirtschaftsgütern verändert haben. Außer bei Grundschulkindern der beiden ersten Klassen und bei Studierenden kurz vor dem Abschluss gibt es keinen rationalen Grund, Lernen auf die herkömmliche Lernorganisation zu beschränken. Wer hilft mit, die Steuerungsvariablen für zeitgemäßes Lernen richtig zu setzen? |
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| Anmerkungen
Steuerung nach Arbeitszeit
versus Steuerung nach Arbeitsergebnis
"Die Dauer der Schulzeit bis zur Erlangung der Allgemeinen Hochschulreife beträgt zwölf oder 13 Schuljahre. Dabei ist ein Gesamtstundenvolumen von mindestens 265 Jahreswochenstunden ab der Jahrgangsstufe 5 bis zum Erwerb der Allgemeinen Hochschulreife nachzuweisen. " Überprüf bare inhaltsbezogene Nachweise wurden dazu nicht gefordert. Unterstellt wird, dass der Lernerfolg für alle Schüler in gleicher Weise proportional zur Lernzeit wächst. und Im Bolognaprozess wird für einen BA-Kreditpunkt der Nachweis von 30 Stunden Arbeitszeit gefordert Überprüf bare inhaltsbezogene Nachweise werden dazu nicht gefordert. Bei einer Steuerung nach dem Arbeitsergebnis werden inhaltliche Qualifikationen unabhängig von der zum Erwerb benötigten Zeit gefordert. Vernünftige Kriterien dafür sind im Dortmunder Manifest niedergelegt. Zeitgesteuerte "Leistungs"-Nachweise führen zur Demotivierung aller, die die geforderte Qualifikation in kürzerer Zeit erwerben könnten. Wer unterfordert ist, resigniert oder reagiert seinen Arbeitswillen auf andere Weise ab. Der Verfasser dieses Beitrags hat die Abitursprüfung nach nur 11 Unterrichtsjahren als Klassenbester abgelegt. (Ein Unterrichtsjahr ist dem Kriegsende zum Opfer gefallen. Die Regelschulzeit von damals 13 Jahren hat er durch Überspringen der Klasse 12 um ein weiteres Jahr abgekürzt. In die Nacharbeit des Stoffs von Klasse 12 hat er insgesamt 24 Zeitstunden investiert - im Fach Mathematik, das ihm im Abitur mit der Note 1 bewertet wurde.) In der Schulpädagogik spricht man vom "heimlichen Lehrplan", einem Begriff, den der Schulpädagoge Hilbert Meyer eingeführt hat. Der Verfasser dieses Beitrags hat nicht nur bei sich selbst sondern auch in Schule und Hochschule mit selbstorganisiertem Lernen bessere Erfahrungen gemacht als mit lehrerzentriertem Unterricht (Siehe zum Beispiel). Es ist erstaunlich, dass die produzierende Wirtschaft bei der Beschaffung neuen "Humankapitals" dem Lieferanten, das heißt der Schule gegenüber, auf Spezifikationen verzichtet, während bei der Eingangskontrolle physischen Vormaterials entweder durch DIN-Normen gesicherte Eigenschaften verlangt oder häufig darüber hinausgehende Spezifikationen vorausgesetzt werden. Wie die Jugendlichen ihre Zeit verwenden, hängt in hohem Maß davon ab, ob sie rasch Rückmeldungen über die verbrachte Zeit erhalten. Computerspiele geben unverzüglich Rückmeldungen über die Reaktionen des Spielers, und diese Rückmeldungen bleiben anonym, wenn der Spieler nicht selbst die Ergebnisse, zum Beispiel einen hohen Scorewert, verbreiten will. Ein Teil des hohen Stellenwerts solcher Spiele rührt nicht von der Einkleidung in gewalttätige Szenen ab. Vielmehr geht es um die Möglichkeit zum Vergleich mit anderen mit Hilfe der Scoreliste. Deshalb kann man einen beträchtlichen Teil der dadurch entstehenden Motivation durch entsprechende Lernaufgaben abschöpfen.
Ein Aufwand von 5 000 € bis 50 000 € reicht, je nach geplantem Umfang und Reichweite, für Aufgabenauswahl, PHP-Programmierung und Webspace in einem Versuch bereits aus. |