Vorläufige Fassung vom 6.11.07
Führerscheinprüfung
als Modell für neues Lernen

Vermutlich ab 2009 entsprechend den Forderungen des Dortmunder Manifests

Nach einer Meldung der ADAC-Motorwelt ist geplant, die Theorieprüfung für den Führerschein auf ein online-Verfahren umzustellen:
 


Wenn der Zugang zum Fragenkatalog auch für das Lernen und Üben freigegeben wird und dieser Zugang kostenlos ist, entspricht die neue Prüfungsform genau den Forderungen des Dortmunder Manifests. Das könnte ein erster Schritt dazu sein, allgemein das Lernen von Routinethemen gerechter, effektiver und billiger zu machen.

Um sich die Bedeutung des Themas vor Augen zu führen, muß man sich nur klarmachen, dass Lernerfolgskontrollen im öffentlichen Bildungswesen immer noch von Hunderttausenden von Lehrern (sowie von Hochschullehrern) in handwerklicher Einzelarbeit geplant und ausgewertet werden. Das verletzt die Chancengleichheit, weil Planung und Bewertung der Lernerfolgskontrollen Raum für Willkürentscheidungen offen lassen und die Kriterien für diese Entscheidungen in der Regel zum "geheimen Lehrplan" des einzelnen Lehrers gehören, also nicht transparent sind. Außerdem kostet es sinnlos viel Geld!

Wie wichtig die Transparenz der Anforderungen für viele Lernende ist, zeigt zum Beispiel der "Handytest". Bekanntlich haben die meisten Hauptschüler beim kreativen Umgang mit dem Handy weniger Probleme als viele Erwachsene. Die Klarheit des Zusammenhangs von Ursache und Wirkung ist ein wesentlicher Grund für den beachtlichen Lernerfolg der Hauptschüler bei der Handynutzung, ein anderer der positive Beitrag des beim Lernen entstehenden unorganisierten sozialen Lernfeldes.

Der Schule gelingt in der Regel keine vergleichbare Lernmotivation. Unserem Land geht damit viel kognitive Kompetenz verloren.

Wenn der Ansatz der neuen Führerscheinprüfung auf die schulischen Abschlüsse, insbesondere auf das Zentralabitur, übertragen würde, würde das Bildungswesen endlich den vielbeschworenen "Ruck" erleben. Solange die Kultusministerkonferenz jedoch zum Beispiel für das Abitur auf 10 000 Stunden Unterricht besteht und nicht auf überprüfbar definierten Inhalten, wird jeder Effizienzsteigerung des Lernens der Boden entzogen. Nobelpreisträger wie Max Planck haben nicht 10 000 Stunden in der Schule vergammelt. In dem Alter, das heute viele Schulabgänger vorweisen, hatte Max Planck bereits promoviert!